Phytotherapie

Die Pflanzenheilkunde beruht auf einem reichen Wissens- und Erfahrungsschatz, dessen Wurzeln viele Jahrtausende zurückliegen. Die ältesten historischen Aufzeichnungen zur Verwendung von Heilpflanzen sind mindestens 6.000 Jahre alt und stammen vom Persischen Golf. Das erste Kräuterbuch entstand 3.000 v. Chr. in China, es umfasst bereits 1.000 verschiedene Pflanzen.

Im antiken Griechenland beschäftigten sich Hippokrates, der Begründer der wissenschaftlichen Medizin, und Dioskorides intensiv mit der Pflanzenheilkunde. Etwa zeitgleich verfasste der römische Arzt Plinius Secundus sein 12-bändiges Heilpflanzenlexikon. Im Mittelalter übernahmen die Mönche und Nonnen eine wesentliche Rolle in der Heilpflanzenkunde, darunter die bekannte Äbtissin Hildegard von Bingen. In der frühen Neuzeit schließlich entwickelte Paracelsus seine Signaturenlehre, wonach vom Aussehen der Pflanze auf deren Heilwirkung geschlossen werden kann. Sie wurde von der anthroposophischen Medizin aufgegriffen und weiterentwickelt. Im 20. Jahrhundert stellte der Arzt Dr. Rudolf Fritz Weiß die Pflanzenheilkunde auf eine wissenschaftliche Basis und gründete den ersten Lehrstuhl für Phytotherapie in Deutschland. Sein „Lehrbuch der Phytotherapie“ erschien erstmals 1944.

Zu den pflanzlichen Heilmitteln gehören neben Heiltees auch Tinkturen, Auflagen und Wickel sowie Salben und Ölauszüge. Sie werden je nach Pflanze aus Blüten, Kraut, Wurzeln oder Rinde hergestellt.

Die Wirkung pflanzlicher Arzneimittel beruht auf deren Inhaltsstoffen, zu den bekanntesten zählen ätherische Öle, Schleimstoffe, Scharf- und Bitterstoffe, Herzglykoside, Saponine, Alkaloide, Flavonoide, Gerbstoffe und Harze.

Die Natur verfügt über eine Vielzahl giftiger oder zumindest ungenießbarer Pflanzen, die jedoch sehr wirksame Inhaltsstoffe enthalten. In diesem Fall werden die Pflanzen nicht pur verwendet, sondern in homöopathisch aufbereiteten Tiefpotenzen (z.B. in der D6). Damit bleiben die Inhaltsstoffe erhalten, die Toxizität geht jedoch verloren.

Bei Unverträglichkeit oder Allergie gegen Korbblütengewächse, zu denen viele bekannte Heilpflanzen gehören wie Arnika, Calendula, Schafgarbe oder Gänseblümchen, ist es erforderlich, auf ein homöopathisches Mittel ab C30 auszuweichen.